Bevor mein drittes Baby auf die Welt kam, habe ich zwei Kinder im Spital geboren. Bei der zweiten Schwangerschaft habe ich in den Vorsorgeuntersuchen und auch während der Geburtsehr schlechte Erfahrungen gemacht. Ich habe mich daher bei meinem dritten Kind bewusst für die Schwangerschaftsbegleitung, die Geburt und das Wochenbett im Geburtshaus entschieden.
Die Frauenärztin hat im ersten Ultraschall die Schwangerschaft bestätigt und den Geburtstermin festgelegt, danach habe ich sämtliche Untersuchungen von den Hebammen im Geburtshaus durchführen lassen. Das war eine totale Befreiung für mich! Im Spital war ich vor jeder Ultraschalluntersuchung unsicher und habe mir Sorgen gemacht, obwohl ich ein zuversichtlicher und mutiger Mensch bin. Im Geburtshaus freute ich mich auf dieTermine und fühlte mich bestärkt. Ich fand grossartig, dass meine gesamte Situation betrachtet und medizinische Aspekte mit privaten verknüpft wurden.
Die Geburt ging ein Tag vor dem errechneten Termin los. Ich spürte die ersten Wehen kurz nach dem Mittag und ignorierte sie. Ich war allein zuhause mit meinen beiden anderen (noch kleinen) Kindern und hatte keine Zeit, mich um Wehen zu kümmern. Wir verbrachten den Nachmittag auf dem Spielplatz, wo ich regelmässig ein Ziehen spürte. Obwohl ich schon Geburtserfahrung hatte, war ich unsicher, ob es wirklich los geht. Zur Sicherheit lud ich jedoch meine Mutter zum Znacht ein, da sie während der Geburt auf die anderen Kinder aufpassen sollte. Auch meinem Mann schrieb ich,er solle pünktlich Feierabend machen. Auf seine Nachfrage, ob es losgehe, konnte ich ihm jedoch keine Antwort geben. Also kochte ich Abendessen, machte die Kinder bereit fürs Bett und erzählte eine Gute Nacht Geschichte. Allerdings mit einigen Unterbrüchen zum Atmen. Ich informierte die Kinder auch, dass vielleicht das Baby kommt und wir dann in der Nacht weg wären. Bis dahin war es etwa neun Uhr abends und ich immer noch unsicher, ob es nun wirklich weitergeht.
Daraufhin wollte mein Mann gemütlich Duschen gehen – was mich richtig wütend machte. Plötzlich war ich überzeugt, dass die Geburt schon vor Stunden losgegangen sei und ich nun ins Geburtshaus muss. Ich wollte endlich, dass sich mal jemand um mich kümmert. Auf keinen Fall wollte ich warten, bis mein Mann auch noch seine Bedürfnisse erfüllt hat. Mein Mann schaute mich kurz fassungslos an, der Wechsel von «vielleicht ist gar nichts» zu «ich liege schon seit Stunden in den Wehen» war auch sehr abrupt. Er meldete uns also im Geburtshaus an, schnappte unsere Sachen und wir fuhren los. Wir sind etwa um zehn Uhr angekommen. Ich war so müde, dass ich trotz der starken Wehen erst einmal eine Stunde geschlafen habe. Danach war ich schlagartig wach. Die Hebamme motivierte mich, noch weiter zu dösen. Ich war jedoch überzeugt, dass ich mich nun auf die Geburt konzentrieren muss. Zur Entspannung liess sie mir den Gebärpool ein und ich wechselte ins Wasser. Dort kam dann schnell, kurz vor ein Uhr nachts, das Baby bereits auf die Welt.
Danach durften wir das Wochenbett im Geburtshaus geniessen. Ich hatte ein schönes Zimmer mit einem breiten Bett,nur für mich und das Baby. Bereits am nächsten Tag konnten die Geschwister kommen und das Baby kennen lernen. Der tolle Innenhof und der viele Platz war für uns als Familie grossartig. Aber auch mir als Mutter von zwei Kleinkindern und einem Baby hat es sehr gutgetan, diese ersten Tage an einem schönen Ort zu verbringen. Es war ruhig, ich wurde mit hervorragendem Essen versorgt und die Hebammen haben ihre Untersuchungen an meine Bedürfnisse angepasst. Im Spital muss man sich nach den Zeiten des Personals richten. Wenn sie untersuchen wollen, wird die Mutter und das Baby geweckt und bei Fragen muss man endlos warten, bis irgendwann jemand Zeit hat. Im Geburtshaus war dies umgekehrt, und so war das Wochenbett wirklich eine sehr schöne und tatsächlich auch erholsame Zeit für mich – fast ein bisschen wie ein Wellnessurlaub im hektischen Familienalltag.
Die Hebammen im Geburtshaus boten zu jeder Zeit unkompliziert und schnell Unterstützung, sei dies während derSchwangerschaft, Geburt oder im Wochenbett. Bei den Schwangerschaftsuntersuchen waren alle über den Verlauf meiner Schwangerschaft informiert und hatten ein umfängliches Bild. Während der Geburt wurden wir stets von einer Hebamme begleitet, welche uns kompetent und zurückhaltend unterstützte. Ich wünschte im Nachhinein, ich hätte diese Unterstützung beim ersten Kind gehabt, sei dies beider Geburt, im Wochenbett oder bei Stillfragen. Dies hätte mir den Anfang in die Babyzeit sehr erleichtert. Es ist aber auch einfach toll, dass bei meinem dritten Kind alles so unkompliziert und schön abgelaufen ist. Dafür vielen Dank an alle beteiligten Hebammen!