Ich war fest davon überzeugt, dass mein Kind nach dem Termin kommen würde. Deshalb habe ich die ersten Wehenvorboten – etwa sieben Tage vor ET – überhaupt nicht ernst genommen.
Turns out: Es wurde ernst.
An einem Sonntag, als meine Eltern zu Besuch waren, musste ich die erste Wehe veratmen. Mein Papa meinte noch: „Wir nehmen den Hund mit. Das dauert nicht mehr lange.”
Als ob, dachte ich mir.
Mein Freund und ich schauten noch ganz entspannt TV, während die Wehen langsam stärker und regelmässiger wurden. Als die App meinte: „Begeben Sie sich ins Krankenhaus” (wenn die wüsste – auf keinen Fall wollte ich das 😉), rief ich im Delphys an. Julia beriet uns schon am Telefon ruhig und kompetent – und plötzlich war klar: Jetzt passiert es.
Wir fuhren ins Delphys, wo ich den Rest der Nacht in der Badewanne verbrachte, während mein Partner nebenan schlief. Es war eine unglaublich entspannte, liebevolle Atmosphäre. Julia massierte mir die Füsse und trug mich durch diese erste, noch sehr wechselhafte Phase. Als Erstgebärende hatte ich natürlich Respekt vor dem, was auf mich zukommt – und gleichzeitig konnte ich es immer noch nicht ganz glauben.
Gegen Morgen liessen die Wehen plötzlich nach. Hebammenwechsel. Man überliess uns die Wahl: bleiben und einfach sein oder nach Hause gehen. Wir entschieden uns fürs Bleiben – ein Luxus, den man im Spital wohl kaum hätte.
Doch gegen Mittag war kaum noch etwas zu spüren. Ich war extrem frustriert. Waren die letzten Stunden etwa für nichts gewesen?
Gerade als unser Uber ankam, überrannte mich eine Wehe – und auf einmal nahm alles Fahrt auf. Aus der „bubbly Hera” wurde, wie Hebamme Nicole sagte, eine „Gebärende-Hera”. Wir drehten im Gang wieder um.
Nicole begleitete mich mit Hypnose-Meditationen, und ich konnte mich vollkommen in die Geburt hineingeben. Ich liess mich immer mehr darauf ein, folgte meinem Körper und meinem Baby. Die nächsten Stunden verschwimmen in meiner Erinnerung.
Bis um 19:30 Uhr meine Fruchtblase platzte – und die Pressphase begann.
Nur kurze Zeit später, mit einer einzigen kraftvollen Wehe, war unser Kind geboren.
Unfassbar.
Ein Moment, den ich mein Leben lang nie vergessen werde. Unendliche Liebe. Komplette Überwältigung. Übrigens wussten wir nicht, ob es ein Mädchen oder ein Junge wird. Diese grosse Überraschung on top kann ich nur wärmstens empfehlen.
Nicole war die ganze Zeit an meiner Seite, sprach mir gut zu, motivierte mich. Ich fühlte mich zu keinem Zeitpunkt allein – sondern getragen, sicher und unglaublich gut aufgehoben. Dafür werde ich dem Delphys für immer dankbar sein.
Auch wenn das Nähen danach – ehrlich gesagt – eher das Lowlight war (dafür wurde ich lokal betäubt), ging es mir direkt nach der Geburt erstaunlich gut. Ich war überglücklich. Ein richtiges Birth High setzte ein.
Wir genossen das Wochenbett in vollen Zügen, und auch die Betreuung zuhause durch Nabila war einfach wunderbar.
Ich würde nichts anders machen.
Ja, Geburt macht Angst. Man hört so viele Horrorgeschichten. Aber ich kann dir sagen: Es war viel schöner, als ich es mir je hätte vorstellen können. Und es ist absolut machbar auch ohne medizinische Schmerzmittel – wenn man sich mit Vertrauen darauf einlässt.
“Jeder schafft die Welt neu mit seiner Geburt. Denn jeder ist die Welt.” - Rainer Maria Rilke
Zum Schluss möchte ich zwei auch meinem Partner danke sagen, für seine emotionale Stütze während diesen prägenden Stunden. Du warst mir eine riesige Stütze, nicht nur beim Atmen helfen oder Wasser reichen. Sondern vor allem mit deiner Nähe und Liebe.
Dass wir danach zu dritt unsere erste Nacht verbringen konnten und im gleichen Bett schlafen durften, war für uns als junge Familie ein grosser Schatz. Fast so, als hätten wir unsere ersten gemeinsamen Ferien erlebt :-)
Ich habe mich bewusst für eine Geburt im Delphys entschieden – nicht nur aus dem Bauch heraus, sondern aufgrund der Evidenz. Für gesunde Schwangerschaften sind Geburten im Geburtshaus genauso sicher wie im Spital, verlaufen aber oft ruhiger und mit weniger Eingriffen. Genau diese Kombination aus Sicherheit, Vertrauen und einer entspannten Atmosphäre hat sich für mich richtig angefühlt. Auch dass der Partner eine so zentrale Rolle spielt und später im Wochenbett eine Station über den Geburtszimmern mit uns die Nächte verbringen konnte war einer der grossen Vorteile!


